Die Burghauser Bürgermeisterkandidaten im PNP-Interview, Teil 6: Stefan Angstl (51, Grüne), das Gemeinwohl und der Stadtverkehr der Zukunft.

Ihre Stadtratskollegen schätzen Sie für Ihre freundliche und besonnene Art. Aber haben Sie die Durchsetzungsfähigkeit, die ein Bürgermeister benötigt, etwa bei Grundstücksverhandlungen oder der Leitung der Stadtverwaltung?
Angstl: Es ist wichtig, einen sehr zugewandten Umgang miteinander zu pflegen. Sowohl in der Schule als auch im Stadtrat habe ich die Erfahrung gemacht, dass das gemeinsame Anpacken wichtig ist. Insofern ist diese Durchsetzung vielleicht nicht immer so sichtbar. Gerade bei Grundstücksverhandlungen kann man aber einerseits Blockaden vermeiden, andererseits mit Einblick seine Position verdeutlichen.

Ihr großes Kernthema ist das Gemeinwohl. Ein durchaus abstrakter Begriff…
Angstl: Ja, genauso abstrakt wie die Wirtschaft. Für uns ist Gemeinwohl ein Ziel, das nicht von irgendwo kommt, sondern in der Bayerischen Verfassung und im Grundgesetz verankert ist. Es umfasst die Ausrichtung auf das Wohl von vielen, möglichst allen Menschen. Was für alle notwendig ist, beispielsweise das Trinkwasser, muss eine hohe Priorität besitzen. Das muss sowohl von der Qualität her als auch von der Quantität und dem Preis gesichert werden. Da sehen wir mittelfristig sehr große Herausforderungen für die Stadt Burghausen.

Zu den weiteren großen Themen gehört die Zukunft des Verkehrs. Wie sieht aus Ihrer Sicht das künftige Citybus-Angebot aus?
Angstl: Notwendig ist eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Dafür braucht es Ersatz, etwa in Form einer zusätzlichen Linie vom Krankenhaus über das neue Baugebiet Emetsberger Hof zum Hallenbad. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass es immer mehr ältere Menschen gibt und diese auch im Alter mobil bleiben wollen, bei bezahlbaren Preisen. Uns schwebt ein günstiges Seniorenticket vor.

Günstig bedeutet nicht kostenlos.
Angstl: Es ist wahrscheinlich nicht nötig. Mit einem sehr günstigen, symbolischen Betrag lässt sich besser erreichen, dass die Menschen das Ganze auch ernst nehmen. Bietet man das völlig kostenfrei an, zeigt die Erfahrung aus anderen Städten, dass Spaziergänge und Radfahrten auf den Citybus verlagert werden.

Gibt es in Sachen Radwegenetz konkrete Ausbaupläne?
Angstl: Ein erstes Ziel wäre der Lückenschluss in der Robert-Koch-Straße. Dazu kommt die Markierung der Übergänge mindestens an den großen Kreuzungen. Auch beim neuen Baugebiet an der Burgkirchener Straße braucht es eine gute Anbindung. Und in der Altstadt könnte die Einbahnregelung in der Mautnerstraße deutlicher gekennzeichnet werden. Ein weiterer Punkt wären wirkliche Abstellplätze für Fahrräder. In den Niederlanden gibt es richtige Parkhäuser für Räder. Das reduziert die Emissionen, reduziert den Lärm, ist gesünder und spart damit auch viel Geld. Ziel ist es, Autos nicht zu verbieten, sondern Möglichkeiten zu schaffen, dass man nicht unbedingt auf sie zurückgreifen muss.

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