Voller Saal zum Verfassungsartikel Gemeinwohl am 15.10.2019 im Bürgerhaus Burghausen.

Vortrag von Buchautor Christian Felber/ Neuer Ansatz für die Wirtschaft

Brechend voll war der Bürgersaal am Dienstagabend bei einem Vortrag des bekannten Buchautors Christian Felber aus Österreich.Anhand des Artikels 151 aus der Bayerischen Verfassung erläuterte er die Bedeutung einer an den Interessen der ganzen Bevölkerung ausgerichteten Wirtschaftsordnung: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Allgemeinwohl, …“ Gerade der Nachsatz, dass „die Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle“ garantiert sein muss, führte Felber zu der Notwendigkeit aus, die bestehende wirtschaftliche Grundlage dahingehend zu ergänzen.Nicht mehr nur am finanziellen Erfolg kann die Gesellschaft orientiert sein, sondern an verschiedenen Zielen, zu denen auch gleiche Chancen und ein ökologisches Gleichgewicht zählen.Überzeugend und anhand klar aufgebauter Folien zeigte Felber, dass genauso der Blick auf den Erfolg verändert werden muss, damit es möglich ist, mit weniger Arbeit mindestens die gleiche Zufriedenheit in der Bevölkerung zu erreichen. Er schätzt die nötige produktive Arbeitszeit auf etwa21 Stunden in der Woche.

Die Orientierung am Gemeinwohl mache es möglich, sich zum Beispiel zu überlegen, welche Güter tatsächlich benötigt werden, und wie man sie so herstellt, dass möglichst viele Menschen und Unternehmen davon etwas haben. Dazu kann ein lokaler Wirtschaftskreislauf die kleineren und mittleren Betriebe vor Ort näher mit den Kunden und den Produzenten zusammenführen. Anhand einer bereist gemeinwohlschaftlich wirtschaftenden Bäckerei zeigte Felber, dass damit sogar der faire Preis ausgehandelt werden kann, welcher der einheimischen Landwirtschaft ein gerechtes Auskommen ermöglicht. Daher sei eine Umstellung nötig, die ein werteschätzendes Wirtschaften belohnt und z.B. die schlechte Behandlung der Mitarbeiter teurer macht.Inzwischen setzen bereits hunderte Unternehmen, Universitäten und sogar Städte (Valencia in Spanien) dieses Konzept um, das sich unter anderem an Ideen an Lateinamerika oder der Fairtrade-Bewegung hält.

 Eine ideologische Ausprägung ist nicht vorhanden.Vor allem im ausführlichen Fragenteil, der von den Stadträten Gunter Strebel und Stefan Angstl moderiert wurde, konnte Christian Felber mit seinen Antworten überzeugen. Das von den Burghauser Grünen als Überschrift zum Programm für 2020 gewählte Gemeinwohl ist so ausgearbeitet, dass eine demokratische Erfüllung der Verfassung möglich ist. Die wahlberechtigten Bürger können sich vor Ort engagieren und selbst einen neuen Mittelweg für die Gesellschaft finden.Besonders gut bewies Felber die Umsetzbarkeit seines Ansatzes, indem er auch mit einem taubstummen Zuhörer kommunizierte und am Schluss in einem spielerischen Experiment den ganzen Saal an einer praktischen Übung zum gemeinschaftlichen Abstimmen beteiligte.

Quelle Stefan Angstl

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel